03.08.12

Abschlussbericht SALEWA Rockshow 2012

Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit. Konfuzius’ Worte sind so alt wie wahr und so formvollendet übertragbar auf die SALEWA Rockshow 2012... Voller Vorfreude sah ich ihr entgegen, der Rockshow, fieberte, liess meinen MINI-Motor laut aufheulen, als es endlich los ging. Kaum da, schon vergangen – Zack weg. Ein Pfeil, der die Luft zerschneidet, so rapide, dass der Flug für das menschliche Auge nicht fassbar ist. Die Zeit verflog wie ein Sommergewitter am Fels, in dicken Tropfen prasselte die Rockshow auf Europa nieder, machte hammergeile Spots all around Europe platt. Doch verdampfte in Windeseile – eben, wie Regentropfen an einem heissen Sommertag, wenn anschliessend wieder glühende Sonnenstrahlen herab brüten. Ein geniales Spektakel der Natur, und so speziell und schön war für mich auch die Rockshow.

Wer die Sache etwas mitverfolgt hat, weiss: Während eines vollen Monats war ich dabei, als reihenweise Best-Of-Climbing-Spots in Europa abgegrast wurden. Mit Sonne, Strand und Meer begann es im warmen Süden: Die sardischen Felsen von Cala Gonone waren während zwei Tagen unser! Krass aber nass gings daraufhin gleich weiter: die deutsche Zellerwand thronte über uns, ebenso eine Regenwolken-Armee. Keine Chance für Outdoor-Kraxelei, so wurde zu Kunstgriffen ausgewichen. Umso mehr genoss ich den darauffolgenden Tourstop, quasi ein Heimspiel für mich: im sonderbar-sloperigen Lehn bei Interlaken knabberten die Routen an der Fingerhaut der Athleten, welche tagszuvor noch mit lecker Apero-Gebäck im topmodernen SALEWA Shop im schweizerischen Grindelwald in Berührung gekommen war. Ein Bisschen Haut blieb auch beim nächsten Tourstop an der Wand, respektive am Tunnel, denn in Barcelona erwartete uns ein urban climbing Tunnel. Dieser ist voll gespickt mit des Kletterers liebstem bunten Plastik. Geilo! Und aus klimatechnischer Sicht nicht die unfeinste Art einen heissen barcelonischen Tag zu verbringen. Weiter gings in französisches Gebirge: zauberhaftes Briancon empfing uns mit strahlend schönem Wetter, griffigem Turngerät aus bestem Rock und taff-taff-taffen Routen. Schliesslich liefen wir in die letzte Schlaufe des Rockshow-Climbing-Marathons ein: sowohl am Plombergstein in Österreich, in der Rock City in Tschechien und in Krakau in Polen klebt seit der Rockshow ein Bisschen Magnesium-Schweiss-Gemisch an den Wänden. Enorm, wieviele heftige Spots wir im Verlaufe des Junis abgeklappert haben.

Was das Beste für mich war, mein Highlight sozusagen? Schwere Frage. Waren es die unzähligen gediegenen Climbing Spots? Waren es die länderspezifischen kulinarischen Highlights? Das Baden im Meer mit sardischem Fels im Rücken? Die hammerharten Stürze, die von unten stressfrei und einfach nur genial anzuschauen waren? Nein, wisst ihr was mein Favourite war? Es war die Community. Das Miteinander Sein. Es war die Begegnung oftmals völlig fremder Menschen, die sich innerhalb kürzester Zeit fanden und zu einem starken Grüppchen mauserten, zusammenhaltend, sich anfeuernd, sich miteinander freuend und miteinander leidend. Ehrlich, diese herrlich zwischenmenschliche Komponente war mein Highlight, das einfache Zusammensein von gleichgeschalteten Menschen. Denn was wären die überragendsten vertikalen Errungenschaften ohne mitfiebernde Gleichgesinnte, deren Augen den Glanz der eigenen reflektieren? Manchmal denke ich, dass Erfahrungen erst dann real und wahrhaftig werden, wenn sie geteilt sind.

Aber um ehrlich zu sein: Nach einem Monat Roadtrip bin ich nun doch froh, wieder in meinem heimischen Gebiet, dem grandiosen Berner Oberland, Hand und Magnesium anzulegen. Selber turnte ich nämlich nur minimal vertikal. Meine Handflächen haben nun definitiv genug vom fremd-schwitzen und wollen nun selber wieder senkrechter Athletik fröhnen. Auf www.felsklettern.ch werden per sofort definitiv wieder mehr ego-bezogene Einträge gesetzt. Konfuzius’ pfeilschnelles Jetzt muss gelebt werden – jetzt!Die Berge rufen, ich sitze noch drinnen, etwas ist falsch, daher: ich verabschiede mich, danke der SALEWA Crew von Herzen für die Show, den Roadtrip und das Herzflattern…Ich bin dann mal hoch motiviert weg zum Klettern... Uf widerluege!

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